Fünf Männer mit seltenem Hobby

Bericht der Ruhr-Nachrichten

Ein kleiner Kellerraum im Dülmener Brentano-Gymnasium: Die Luft vibriert. Es dröhnt tief, summt hoch, breitet sich vollmundig nach allen Seiten aus: „Großer Gott wir loben Dich“ – so mächtig, dass für dieses Lob zwischen Tafel auf der einen und gestapelten Stühlen auf der anderen Seite nicht ausreichend Platz zu sein scheint. Für die Instrumente, aus denen es erklingt, ebenso wenig. Oben ein Mundstück, unten ein Schalltrichter und dazwischen ein ausgehöhlter dünner Baumstamm: typisch Alphorn eben.

„Schon ganz gut“

Ganz vorne ist gerade noch genug Platz für Bernd Hülk und seinen Notenständer. Der langjährige Musiklehrer leitet die 2006 gegründeten Roruper Alphornbläser. Er klopft auf das Pult – und augenblicklich ebbt das Lob Gottes ab. Nur in den Ohren hallt es noch einen Augenblick weiter. „Schon ganz gut“, sagt der Herr der längsten Instrumente diesseits des Weißwurstäquators. Aber der Malermeister, der Bänker, der Feuerwehrmann und die beiden anderen Männer im Halbkreis vor ihm wissen es besser: „Der findet doch immer was“, raunen sie – und behalten recht.

Der Wechsel zwischen Laut und Leise sei noch nicht ausgeprägt genug, meint der strenge Dirigent. Leise? „Natürlich“, erklärt Hülk. Ein Alphorn lasse sich schließlich genauso spielen wie eine Trompete, eine Tuba oder jedes andere Blechblasinstrument, nur dass es keine Ventile und keinen Zug habe und ihm daher nur mit den Lippen Naturtöne entlockt werden könnten: „13 bis 15 unterschiedliche, je nach Übung.“

Jeden Tag wird fleißig geübt

Daran mangelt es nicht. Jeder der Fünf nimmt sein rund 1500 Euro teures Alphorn nach dem wöchentlichen Übungsabend mit nach Hause – zum Üben. „Jeden Tag eine Stunde“, meint Josef Cercek. Beschwert habe sich noch keiner seiner Nachbarn im Mehrfamilienhaus. „Warum auch, ist doch besser als Hundegebell oder Ehekrach.“ Hülk räuspert sich. Heute ist keine Zeit zu verlieren. Die Roruper Alphornisten haben Generalprobe. Am Samstag spielen sie die von Bernd Hülk komponierte Alphornmesse. Auch wenn die Laienmusiker Trachten-Westen aus Loden tragen: Auf Volksmusik wollen sie sich nicht festlegen lassen. „Wir spielen eigentlich alles bis auf Tanzmusik“, sagt Herbert Möllers, der Rechtsaußen der Bläserreihe.

Alphorn-Traum zum 70. Geburtstag

Rudi Kissenkötter, der Mann in der Mitte, strahlt – soweit das überhaupt geht, wenn man im nächsten Augenblick ins Horn stoßen möchte. Zu seinem 70. Geburtstag hatte er sich einen Traum erfüllt: keinen Alptraum, sondern einen Alphorn-Traum. Dass er heute nicht nur selbst das Schweizer Nationalinstrument besitzt, sondern sogar Gleichgesinnte zum gemeinsamen Spielen fand, sei „zu schön um wahr zu sein“. Hülk hebt die Hände. Der „Große Gott“ brandet erneut auf. Wieder zu laut, aber egal.

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